Unentdeckte Mangelernährung ist mehr als nur ein Ernährungsproblem – sie kann den Therapieverlauf negativ beeinflussen und die Lebensqualität der Patient:innen deutlich mindern. Die folgenden Inhalte zeigen, wie Sie Anzeichen frühzeitig erkennen, Diagnosestandards sicher anwenden und welche Screening-Tools Sie gezielt einsetzen können.

Anzeichen von krankheitsbedingter Mangelernährung: Worauf Sie achten sollten.

Erste Zeichen einer Mangelernährung äußern sich in reduzierter Nahrungsaufnahme, ungewolltem Gewichtsverlust oder nachlassender Muskelkraft. Eine systematische Beurteilung dieser Parameter ermöglicht es, gefährdete Patient:innen frühzeitig zu identifizieren und therapeutische Maßnahmen rechtzeitig einzuleiten.

  • Veränderungen des Essverhaltens:
    Appetitlosigkeit oder verändertes Geschmacksempfinden können schon früh auftreten – häufig im Rahmen der Therapie, teils aber auch vor der Diagnose. Im klinischen Alltag zeigt sich dies häufig daran, dass Mahlzeiten nicht vollständig verzehrt werden oder Patient:innen kleinere Portionen zu sich nehmen.
  • Äußerlich wahrnehmbare Veränderungen:
    Ungewollter Gewichtsverlust über mehrere Wochen hinweg, zu weit gewordene Kleidung, ein zu weit gewordener Gürtel, ein eingefallenes Gesicht.
  • Merkmale körperlicher Schwäche:
    Nachlassende Muskelkraft, häufigere Pausen bei alltäglichen Tätigkeiten wie Treppensteigen oder Gehen, Schwierigkeiten beim Öffnen von Gläsern oder Dosen.
  • Inflammation:
    Entzündliche Prozesse können eine Mangelernährung verursachen, z.B. durch Appetitlosigkeit oder Veränderungen des Stoffwechsels, die mit Katabolie und Muskelverlust einhergehen. Dies kann den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.
  • Antriebslosigkeit:
    Patient:innen wirken körperlich erschöpft und lassen sich schwer zu gewohnten Aktivitäten wie Einkaufen oder Radfahren motivieren. Selbst kurze Wege sind belastend.

Früh erkennen, richtig handeln – Ernährungsscreening nach Leitlinie.  

Ein regelmäßiges, evidenzbasiertes Screening ist die Basis einer bedarfsgerechten Ernährungstherapie. Es hilft, Mangelernährung rechtzeitig zu identifizieren, den Therapieerfolg zu unterstützen und die Lebensqualität der Patient:innen zu erhalten.

Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) zur Klinischen Ernährung in der Onkologie empfiehlt, den Ernährungszustand onkologischer Patient:innen bereits beim Erstkontakt zu erfassen und anschließend in kurzen Abständen – mindestens alle vier bis sechs Wochen – zu überprüfen. So lassen sich Risiken frühzeitig erkennen und individuell adressieren.

Fällt ein Screening auffällig aus, sollte ein weiterführendes Assessment erfolgen. Dabei werden Nahrungsaufnahme, ernährungsrelevante Symptome, Körper- und Muskelmasse, Leistungsfähigkeit sowie mögliche systemische Inflammationen erfasst.

Hierbei können die GLIM-Kriterien herangezogen werden. Bei der Diagnose nach GLIM (Global Leadership Initiative on Malnutrition) sollte ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung auf Basis eines validierten Screeningtools vorliegen, sowie mindestens ein phänotypisches Kriterium (ungewollter Gewichtsverlust, niedriger BMI oder reduzierte Muskelmasse) und mindestens ein ätiologisches Kriterium (verringere Nahrungsaufnahme oder -resorption oder Krankheit oder Inflammation) erfüllt sein.

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