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Patient:innen mit einer Parkinson Erkrankung nehmen häufig weniger Energie auf, als sie benötigen. Die Folge sind Energielücken, die – wenn sie nicht frühzeitig ausgeglichen werden – zu Gewichtsverlust und Mangelernährung mit unmittelbaren Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf der Patient:innen führen können.
Als Ärztin, Arzt oder therapeutische Fachkraft können Sie entscheidend dazu beitragen, diesen Entwicklungen vorzubeugen. Eine regelmäßige Überprüfung des Ernährungsstatus sowie das frühzeitige Einleiten geeigneter ernährungstherapeutischer Maßnahmen sind zentrale Bausteine einer ganzheitlichen Versorgung.
In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Rolle der klinischen Ernährung in der Neurologie – mit einem besonderen Fokus auf Mangelernährung bei Parkinson und wirksame ernährungstherapeutische Ansätze.
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Mangelernährung bei Parkinson: Ursachen und Folgen
Ein defizitärer Ernährungsstatus ist bei einer Parkinson Erkrankung keine Seltenheit: Bis zu 25 % der Patient:innen sind betroffen.[1] Studien zeigen, dass Personen mit einer Parkinson Erkrankung im Schnitt ein tägliches Energiedefizit von etwa 400 kcal aufweisen [2] – verursacht durch eine Kombination aus verringerter Energieaufnahme und erhöhtem Energieverbrauch.
Ursachen der Mangelernährung
Die Gründe für eine unzureichende Nährstoffzufuhr sind vielfältig:
- Verzögerte Magenentleerung: Bereits im Frühstadium leiden rund 60 % der Patient:innen darunter – mit frühem Sättigungsgefühl und anhaltendem Völlegefühl. [3]
- Schluckstörungen und motorische Einschränkungen: Erschweren die Nahrungsaufnahme erheblich.
- Medikamentenbedingte Veränderungen im Essverhalten: Können zu Appetitverlust oder unregelmäßiger Nahrungsaufnahme führen.
Folgen für Lebensqualität und mögliche Komplikationen 5,6,7,8,9
Eiun schelchter Ernährungszustand hat weitreichende Konsequenzen:
- Verminderte Muskelkraft (Sarkopenie)
- Erhöhte Sturzgefahr
- Schlechtere Verträglichkeit und Wirksamkeit von Therapien
- Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und Alltagsbewältigung
- Größere Anfälligkeit für Infektionen und andere Erkrankungen
- Verlängerte Genesungszeiten nach Krankheiten
- Schwerwiegende Folgen wie erhöhte Morbidität, Behinderung und Sterblichkeit
Eine ausgewogene Ernährung ist daher essenziell, um Energie, Kraft und Lebensqualität zu erhalten – und um Patient:innen bestmöglich in ihrer physiotherapeutischen und ergotherapeutischen Behandlung zu unterstützen..
Kriterien und Instrumente für die Diagnose einer Mangelernährung
Eine Mangelernährung bei Parkinson lässt sich durch genaue Beobachtung und regelmäßige Kontrolle des Gewichts Ihrer Patient:innen feststellen. Für die Diagnose einer Mangelernährung gibt es klare Definitionen. Zudem stehen für ein strukturiertes Screening validierte Instrumente zur Verfügung, die von der Europäischen Gesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) empfohlen werden.
Definition einer krankheitsspezifischen Mangelernährung
Eine krankheitsspezifische Mangelernährung liegt vor, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:
- Body-Mass-Index (BMI) < 18,5 kg/m2
- unbeabsichtigter Gewichtsverlust > 10 % in den letzten 3 bis 6 Monaten
- BMI < 20 kg/m2 und unbeabsichtigter Gewichtsverlust > 5 % in den vergangenen 3 bis 6 Monaten
Definition einer Kachexie
Von einer Kachexie spricht man bei einem Gewichtsverlust von ≥ 5 % (ohne Ödem) in ≤ 12 Monaten plus drei der folgenden Kriterien:
- Verringerte Muskelkraft
- Erschöpfung (Fatigue)
- Anorexie
- niedriger Fettfreie-Masse-Index (fettfreie Masse [kg]/Körpergröße2 [m2])
- abnormale Biochemie
- erhöhte Entzündungsmarker (CRP > 5,0mg/l, IL-6 > 4,0 pg / ml)
- Anämie (Hb < 12 g / dL)
- niedriges Serumalbumin (< 32 g / l)
Validierte Screeningtools
Menschen mit einer Parkinson Erkrankung weisen bereits in frühen Krankheitsstadien ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung und ungewollten Gewichtsverlust auf. Um dem frühzeitig entgegenzuwirken, empfehlen die DGEM-Leitlinien ein frühzeitiges und regelmäßiges Screening auf Mangelernährung– mindestens alle drei Monate. Bei klinischen Veränderungen wie Gewichtsverlust, Fortschreiten des Krankheitsstadiums oder veränderter Vigilanz sollte das Screening monatlich erfolgen.
Ein Ernährungsscreening ist eine schnelle, einfache und effektive Methode, um Patient:innen mit einem erhöhten Ernährungsrisiko frühzeitig zu identifizieren. Es bildet die Grundlage für gezielte ernährungstherapeutische Maßnahmen und kann helfen, Komplikationen zu vermeiden.
Wie funktioniert das Screening?
Standardisierte Tools arbeiten mit wenigen, aber aussagekräftigen Fragen – etwa zu:
- Body-Mass-Index (BMI)
- Ungewolltem Gewichtsverlust
- Appetitveränderungen oder Veränderung des Essverhaltens
Aus den Antworten wird ein Score für den Ernährungsstatus berechnet. Je nach Höhe des Scores lässt sich eine bestehende Mangelernährung oder ein erhöhtes Risiko dafür erkennen.
Zur Unterstützung Ihrer täglichen Arbeit haben wir speziell für Parkinson-Patient:innen einen Screening-Block entwickelt, welchen Sie hier kostenlos bestellen können. Für eine besonders schnelle und einfache Beurteilung des Ernährungszustands bieten wir zudem die digitale Version des MUST Screenings an.
MUST Screening
Das MUST Screening ist eine international anerkannte Methode für den ambulanten Bereich, um Erwachsene mit einer Mangelernährung oder einem Risiko für Mangelernährung zu identifizieren. Es wird von Fachgesellschaften wie der DGEM empfohlen. Ermitteln Sie den Ernährungszustand schnell mit den aktuellen Daten von Gewicht und Größe anhand 3 kurzer Fragen. Zum MUST Screening
Ernährungstherapie bei Parkinson: Ziele, Maßnahmen und Vorteile
Die Ernährungstherapie ist ein zentraler Bestandteil der supportiven Behandlung bei ALS. Ziel ist es, den Ernährungszustand zu stabilisieren, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten. 10
Ziele der Ernährungstherapie
- Stabilisierung des Körpergewichts und Erhalt der Muskelmasse
→ Verhindert Stürze, Knochenbrüche und fördert die körperliche Belastbarkeit. - Optimierung der Medikamentenwirkung
→ L-DOPA sollte idealerweise 30 Minuten vor dem Essen eingenommen werden, da eiweißreiche Mahlzeiten die Wirkung beeinträchtigen können. Gleichzeitig ist eine ausreichende Eiweißzufuhr wichtig, um Muskelabbau zu verhindern – besonders bei älteren Patient:innen. - Förderung der Verdauung
→ Eine ballaststoffreiche Ernährung, kombiniert mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr und Bewegung, hilft gegen häufige Beschwerden wie Verstopfung. - Stärkung des Immunsystems
→ Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente unterstützen die Abwehrkräfte und wirken entzündungshemmend.
Therapieziele
- Stabilisierung des Körpergewichts und Erhalt der Muskelmasse
→ Verhindert Stürze, Knochenbrüche und fördert die körperliche Belastbarkeit. - Stärkung des Immunsystems
→ Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente unterstützen die Abwehrkräfte und wirken entzündungshemmend - Förderung der Selbstständigkeit und Teilhabe im Alltag
Therapieoptionen im Verlauf
- Frühphase: Ernährungsberatung und Kalorienanreicherung der normalen Kost.
- Fortgeschrittene Phase: Einsatz von medizinischer Trinknahrung zur oralen Supplementation.
- Bei ausgeprägter Mangelernährung oder Schluckstörungen: Enterale Ernährung über Sonde oder – in Ausnahmefällen – parenterale Ernährung.
Mehr Nährstoffe durch medizinische Trinknahrungen mit Fortimel®
Trinknahrungen sind oft leichter einzunehmen als normale Mahlzeiten und liefern neben Makronährstoffen wie Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten auch Mikronährstoffe, die für eine optimale Ernährung notwendig sind. Trinknahrungen sind daher in der Regel effektiver als eine einseitige Anreicherung der normalen Kost. Unsere Fortimel Trinknahrungen unterstützen Ihre neurologischen Patient:innen bei krankheitsbedingter Mangelernährung:
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Darüber hinaus unterstützen wir Sie und Ihre Patient:innen mit einem ganzheitlichen Servicekonzept, das weit über die reine Produktversorgung hinausgeht – individuell, praxisnah und zuverlässig.
In vielen Fällen sind medizinische Trink- und Sondennahrungen sowie die notwendigen Hilfsmittel verordnungsfähig. Detaillierte Informationen zu Möglichkeiten der Verordnung von Produkten zur enteralen Ernährung finden Sie hier.
Für Ihre Fragen zu unserem Produktsortiment oder zu medizinisch enteraler Ernährung nehmen Sie gerne Kontakt zu unserem kompetenten Team der Produkt- und Ernährungsberatung auf. Sie erreichen uns montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr unter der kostenfreien Telefonnummer 00800/700 500 00. Sie möchten uns lieber schreiben oder zu einem anderen Thema kontaktieren? Dann nutzen Sie gerne unser Kontaktformular und wählen Ihr Anliegen aus. Wir nehmen uns gerne Zeit für Sie!
Sie haben Fragen zu unseren Produkten?
Wir sind für Sie da und beraten Sie gerne zu unserem Produktsortiment oder zu medizinisch enteraler Ernährung im Allgemeinen – ganz einfach telefonisch oder online. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören!
- Helliesen JS, et al. J Hum Nutr Diet, 2023;36(1):40-50.
- Barichella M, et al. Mov Disord, 2009;24(13):1881-92.
- Pfeiffer RF, Parkinsonism Relat Disord, 2011;17(1):10-5.
- Cersosimo MG, et al. 2012;46(3):559-64.
- Stavroulakis T, et al. Pract Neurol, 2016;16(5):352-61.
- Wirth R, et al. Aktuel Ernahrungsmed 2013; 38: e49–e89.
- Burgos R, et al. Clin Nutr, 2018;37(1):354-396.
- Volkert D, et al. Gerontol Geriatr Med, 2019:5:2333721419858438.
- Sheard JM, et al. PLoS One, 2013;8(1):e53290.
- Csoti, I, et al. Fortschr Neurol Psychiatr. 2018;86(S 01):S34-S42.
- Wirth R, et al. Aktuel Ernahrungsmed 2013; 38: e49–e89.
- Hauner H, et al. Aktuel Ernahrungsmed 2019; 44: 384–419.
- Barichella M, et al. Mov Disord, 2009;24(13):1881-92.
- Burgos R, et al. Clin Nutr, 2018;37(1):354-396.