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Patient:innen mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) sind häufig von ungewolltem Gewichtsverlust und einhergehender Mangelernährung betroffen – mit direkten Auswirkungen auf Krankheitsverlauf und Lebensqualität.
Eine frühzeitige Erkennung von Ernährungsdefiziten und eine gezielte ernährungstherapeutische Intervention sind entscheidend, um einer Mangelernährung entgegenzuwirken. Als Ärztin, Arzt oder therapeutische Fachkraft können Sie maßgeblich dazu beitragen, den Ernährungsstatus Ihrer Patient:innen zu stabilisieren und damit ihre Lebensqualität zu erhalten und krankheitsbedingten Komplikationen vorzubeugen.
In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Bedeutung der klinischen Ernährung bei ALS – von den Ursachen einer Mangelernährung bis hin zu wirksamen ernährungstherapeutischen Maßnahmen.
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Mangelernährung bei ALS: Ursachen und Folgen
Mangelernährung ist eine häufige und ernstzunehmende Begleiterscheinung bei Amyotropher Lateralsklerose (ALS). Bis zu 50 % der Patient:innen entwickeln im Verlauf der Erkrankung eine Mangelernährung1 – häufig bleibt diese unbemerkt, da zunächst nur der Gewichtsverlust auffällt. Dabei ist die unzureichende Energiezufuhr ein zentrales Problem: Über 70 % der Betroffenen nehmen täglich weniger Kalorien auf, als ihrem Bedarf entspricht.2
Hauptursachen im Überblick:
Appetitverlust: Etwa zwei Drittel der Betroffenen berichten über verminderten Appetit und frühes Sättigungsgefühl – selbst bei kleinen Mahlzeiten.3, 4
Motorische Einschränkungen: Die Schwäche der Arm- und Handmuskulatur erschwert das selbstständige Essen.
Schluckstörungen (Dysphagie): Erhöhen nicht nur das Risiko für eine Aspiration, sondern führen oft zu Angst und Unsicherheit beim Essen: Mahlzeiten werden ausgelassen oder nur noch breiige/pürierte Kost verzehrt - was langfristig zu einer unausgewogenen Ernährung führen kann.
Erhöhter Energiebedarf: Trotz reduzierter Aktivität ist der Grundumsatz oft gesteigert – z. B. durch Muskelzuckungen oder metabolische Veränderungen.
Bei ALS-Patient:innen kann sich ein schlechter Ernährungsstatus erheblich auf den Verlauf der Erkrankung und das tägliche Wohlbefinden auswirken. Ein Gewichtsverlust und eine daraus resultierende Mangelernährung beeinträchtigen nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern erhöhen auch das Risiko für schwerwiegende Komplikationen.
Folgen für Lebensqualität und mögliche Komplikationen5
- Zunahme des Muskelabbaus
Eine unzureichende Versorgung mit Energie und Nährstoffen, insbesondere Eiweiß kann den Abbau von Muskelmasse, -kraft und -funktion weiter beschleunigen - wodurch eine bereits bestehende Atrophie schnner voranschreiten kann.
- Beeinträchtigung von Atmungs- und Immunsystem.
Dies erhöht das Risiko für Ateminsuffizienz und Infektionen. Erhöhtes Sturzrisiko
Durch reduzierte Muskelkraft und Koordination.Verlängerte Rekonvaleszenzzeiten
Heilungsprozesse verlaufen langsamer, was die Belastung für Patient:innen und Versorgungsteams erhöht.
Ein stabiler Ernährungszustand ist daher essenziell, um Komplikationen vorzubeugen und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Eine frühzeitige, gezielte Ernährungstherapie kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten.
Kriterien und Instrumente für die Diagnose einer krankheitsspezifischen Mangelernährung
Eine Mangelernährung bei ALS lässt sich durch genaue Beobachtung und regelmäßige Kontrolle des Gewichts Ihrer Patient:innen feststellen. Für die Diagnose einer Mangelernährung gibt es klare Definitionen. Zudem stehen für ein strukturiertes Screening validierte Instrumente zur Verfügung, die von der Europäischen Gesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) empfohlen werden.
Definition einer krankheitsspezifischen Mangelernährung
Eine krankheitsspezifische Mangelernährung liegt vor, wenn eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:
- Body-Mass-Index (BMI) < 18,5 kg/m2
- unbeabsichtigter Gewichtsverlust > 10 % in den letzten 3 bis 6 Monaten
- BMI < 20 kg/m2 und unbeabsichtigter Gewichtsverlust > 5 % in den vergangenen 3 bis 6 Monaten
Definition einer Kachexie
Von einer Kachexie spricht man bei einem Gewichtsverlust von ≥ 5 % (ohne Ödem) in ≤ 12 Monaten plus drei der folgenden Kriterien:
- Verringerte Muskelkraft
- Erschöpfung (Fatigue)
- Anorexie
- niedriger Fettfreie-Masse-Index (fettfreie Masse [kg]/Körpergröße2 [m2])
- abnormale Biochemie
- erhöhte Entzündungsmarker (CRP > 5,0mg/l, IL-6 > 4,0 pg / ml)
- Anämie (Hb < 12 g / dL)
- niedriges Serumalbumin (< 32 g / l)
Validierte Screeningtools
Ein Ernährungsscreening ist eine schnelle und einfache Methode, um Betroffene mit einem Ernährungsrisiko zu identifizieren.
Die folgenden Screening-Tools arbeiten mit simplen Fragen, zum Beispiel zum Body-Mass-Index (BMI) und zum Gewichtsverlust, aus denen ein Score für den Ernährungsstatus berechnet werden kann.
Je nach Höhe weist der Score auf eine Mangelernährung beziehungsweise das Risiko dafür hin:
- Der Nutrition Risk Score (NRS-2002) wurde für stationäre Patient:innen entwickelt und validiert.
- Das Malnutrition Universal Screening Tool (MUST) ist ein besonders schnell durchführbarer Test, der speziell für ambulante Patient:innen entwickelt und validiert wurde.
Entdecken Sie unsere Screeningtools digital als editierbare Dateien zur Unterstützung bei der Versorgung Ihrer Patient:innen. Zur schnellen und einfachen Beurteilung des Ernährungszustandes stellen wir Ihnen zudem die digitale Version des MUST Screenings zur Verfügung.
MUST Screening
Das MUST Screening ist eine international anerkannte Methode für den ambulanten Bereich, um Erwachsene mit einer Mangelernährung oder einem Risiko für Mangelernährung zu identifizieren. Es wird von Fachgesellschaften wie der DGEM empfohlen. Ermitteln Sie den Ernährungszustand schnell mit den aktuellen Daten von Gewicht und Größe anhand 3 kurzer Fragen. Zum MUST Screening
Ernährungstherapie bei ALS: Ziele, Maßnahmen und Vorteile
Die Ernährungstherapie ist ein zentraler Bestandteil der supportiven Behandlung bei ALS. Ziel ist es, den Ernährungszustand zu stabilisieren, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten.
Patient:innen sollten frühzeitig und regelmäßig auf Mangelernährung untersucht werden, da bereits geringe Defizite den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen können.
Therapieziele
- Stabilisierung des Körpergewichts und Erhalt der Muskelmasse
→ Verhindert Stürze, Knochenbrüche und fördert die körperliche Belastbarkeit. - Stärkung des Immunsystems
→ Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente unterstützen die Abwehrkräfte und wirken entzündungshemmend - Förderung der Selbstständigkeit und Teilhabe im Alltag
Therapieoptionen
- Frühphase: Ernährungsberatung und Kalorienanreicherung der normalen Kost.
- Fortgeschrittene Phase: Einsatz von oralen Trinknahrungen.
- Bei schwerer Mangelernährung oder Dysphagie: Enterale Ernährung über Sonde oder ggf. parenterale Ernährung.
Mehr Nährstoffe durch medizinische Trinknahrungen mit Fortimel®
Trinknahrungen sind oft leichter einzunehmen als normale Mahlzeiten und liefern neben Makronährstoffen wie Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten auch Mikronährstoffe, die für eine optimale Ernährung notwendig sind. Trinknahrungen sind daher in der Regel effektiver als eine einseitige Anreicherung der normalen Kost. Die Europäische Gesellschaft für Klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) empfiehlt in ihren Leitlinien die Verwendung von medizinischer Trinknahrung für ALS Patient:innen, die ihren Nährstoffbedarf nicht decken. Unsere Fortimel Trinknahrungen unterstützen Ihre neurologischen Patient:innen bei krankheitsbedingter Mangelernährung:
Darüber hinaus unterstützen wir Sie und Ihre Patient:innen mit einem ganzheitlichen Servicekonzept, das weit über die reine Produktversorgung hinausgeht – individuell, praxisnah und zuverlässig.
In vielen Fällen sind medizinische Trink- und Sondennahrungen sowie die notwendigen Hilfsmittel verordnungsfähig. Detaillierte Informationen zu Möglichkeiten der Verordnung von Produkten zur enteralen Ernährung finden Sie hier.
Für Ihre Fragen zu unserem Produktsortiment oder zu medizinisch enteraler Ernährung nehmen Sie gerne Kontakt zu unserem kompetenten Team der Produkt- und Ernährungsberatung auf. Sie erreichen uns montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr unter der kostenfreien Telefonnummer 00800/700 500 00. Sie möchten uns lieber schreiben oder zu einem anderen Thema kontaktieren? Dann nutzen Sie gerne unser Kontaktformular und wählen Ihr Anliegen aus. Wir nehmen uns gerne Zeit für Sie!
Sie haben Fragen zu unseren Produkten?
Wir sind für Sie da und beraten Sie gerne zu unserem Produktsortiment oder zu medizinisch enteraler Ernährung im Allgemeinen – ganz einfach telefonisch oder online. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören!
- Desport J C, et al. Amyotroph Lateral Scler Other Motor Neuron Disord, 2000;1(2):91-6.
- Jesus P, et al. Amyotroph Lateral Scler, 2012;13(6):538-43.
- Holm T, et al. Interact J Med Res, 2013;2(1):e8.
- Golaszewski A, NeuroRehabilitation. 2007;22(6):431-4.
- Pape J A et al. Rev Neurol (Paris), 2020;176(5):301-315. Cerebrovasc Dis 2016;25:799-806.
- Greenwood DI, Nutr Clin Pract, 2013;28(3):392.
- Pape J A et al. Rev Neurol (Paris), 2020;176(5):301-315.