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Gezielte Ernährungstherapie - der Gamechanger! Protein im Fokus
Herausforderung: Mangelernährung wird in einer übergewichtigen Gesellschaft oft unterschätzt, ist jedoch ein häufiges Phänomen bei chronischen oder gravierenden Erkrankungen. Sie findet sich bei etwa 20 – 30 % aller Menschen, die stationär behandelt werden.
Vor allem ältere Patient:innen sind überproportional häufig betroffen, so liegt die Prävalenz in der Geriatrie bei 56,2%. Auch nach der stationären Entlassung ist das Thema relevant, ambulant daheim oder auch in Einrichtungen der stationären Langzeitpflege.
Eine unzureichende Nahrungsaufnahme bzw. Energie- und Nährstoffversorgung geht für Betroffene mit einem erheblichen Risiko einher.
Evidenz: Qualitativ hochwertige Studien zeigen, Ernährungstherapie senkt nicht nur signifikant das Risiko für schwere Komplikationen und Sterblichkeit, prozessgeleitet (G-NCP) und einem Ernährungsalgorithmus folgend, führt diese zu einer relevanten Verbesserung der Funktionalität und geht mit einer höheren Lebensqualität für Betroffene einher (Schuetz et al. 2019).
Eine individuelle bedarfsdeckende Energie- und Proteinversorgung von mind. 75 % ist der Schlüssel, um das Risiko für Komplikationen bzw. die Sterblichkeit mangelernährter stationärer Patient:innen zu senken (Schuetz et al. 2019).
Energie-, Protein- und Flüssigkeitsbedarf
BERECHNUNGSGRUNDLAGE
Zur Berechnung des Nährstoffbedarfs dient das Ist-Gewicht oder das adaptierte Körpergewicht, je nach Ernährungszustand. Mit zunehmendem Alter werden höhere BMI-Werte als wünschenswert angesehen. Liegt eine Flüssigkeitseinlagerung vor, wie beispielsweise Ödeme oder Aszites, sollte dies bei der Bewertung ebenfalls berücksichtigt werden.
Bei älteren Menschen wird bei einem BMI-Wert unter 20 kg/m2 von Mangelernährung gesprochen.
Bei Abweichungen (übergewichtige oder kachektische Patient:innen) sind Korrekturen nach unten bzw. oben erforderlich:
• Adipöse Patient:innen (BMI > 30 kg/m²): Berechnungsgrundlage ist das adaptierte Körpergewicht: aktuelles Körpergewicht rückgerechnet auf BMI 30 (30 x Körpergröße x Körpergröße in m).
• Extrem kachektische Patient:innen (BMI < 16 kg/m²): sehr langsamer Ernährungsaufbau, Beginn mit maximal 50 % der nach Ist-Gewicht berechneten Menge. Langsame Gewichtszunahme in Richtung Ziel-Gewicht durch Steigerung der Kalorienzufuhr.
DIAGNOSESPEZIFISCHER ENERGIE-/PROTEIN-BEDARF
| Energie kcal/kg KG/Tag | Protein g/kg KG/Tag | |
| Wunden/ in der Rehabilitation | 30 - 35 | 1,2 - 2,0 |
| Dekubitusprävention, Dekubitus | 30 - 35 | 1,2 - 2,0 |
| Onkologische Erkrankungen | 20 - 30 | 1,2 - 2,0 |
| Ältere Menschen* (> 65 Jahre) | 30 | 1 |
| *mit Gewichtsverlust bzw. Mangelernährung, Gebrechlichkeit | 32 - 38 | 1,2 - 1,5 |
| Leberzirrhose | 30 - 35 | 1,2 - 1,5 |
| Pankreatitis, akute Phase | 25 - 30 | 1,2 - 1,5 |
| Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, akute Phase | 25 - 30 | 1,0 - 1,5 |
| Chronische Niereninsuffizienz | ||
| ohne Dialyse | 30 - 35 | 0,6 - 0,8 |
| mit Dialyse (Hämo-/Peritoneal-) | 30 - 35 | 1,2 - 1,5 (1,8) |
| Immobile Patient:innen bzw. Bewohner:innen | 20 - 25 | 1,0 - 1,2 |
KG = Körpergewicht
FLÜSSIGKEITSBEDARF
Zur Abschätzung des Flüssigkeitsbedarfs werden die Richtwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) herangezogen:
15 bis 18 Jahre: 40 ml / kg KG/Tag
19 bis 50 Jahre: 35 ml/kg KG/Tag
>50 Jahre: 30 ml/kg KG/Tag
Vermehrte Flüssigkeitsverluste durch Fieber, Erbrechen, Durchfälle, starkes Schwitzen oder Fisteln müssen entsprechend ausgeglichen werden.
Klinische Zeichen beachten: dunkler Urin, Hautturgor, Laborparamater
Flüssigkeitseinschränkung u.U. bei: Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Ödemen, Aszites
Beispielrechnung:
Beispielhaft eine Berechnung für einen >50-jährigen Patienten mit einer onkologischen Erkrankung mit einem Gewicht von 60 kg:
Energiebedarf:
60 kg * 20 kcal/kg KG/Tag = 1200 kcal/Tag bis 60 kg * 30 kcal/kg KG/Tag = 1800 kcal/Tag
Proteinbedarf:
60 kg * 1,2 g/kg KG/Tag = 48 g/Tag bis 60 kg * 1,2 g/kg KG/Tag = 72 g/Tag
Flüssigkeitsbedarf:
60 kg * 30 ml/kg KG/Tag = 1800 ml/Tag
Nachfolgend eine Übersicht zu den errechneten Energie- Protein- und Flüssigkeitsbedarfsangaben:
| Körper-gewicht | Energiebedarf (kcal/ kg Körpergewicht) | Proteinbedarf (g/ kg Körpergewicht) | Flüssigkeits-grundbedarf in ml | |||||||
| kg | 20 | 25 | 30 | 35 | 0,8 | 1 | 1,2 | 1,5 | 2 | 30 |
| 45 | 900 | 1125 | 1350 | 1575 | 36 | 45 | 54 | 68 | 90 | 1350 |
| 47,5 | 950 | 1187,5 | 1425 | 1662,5 | 38 | 48 | 57 | 71 | 95 | 1425 |
| 50 | 1000 | 1250 | 1500 | 1750 | 40 | 50 | 60 | 75 | 100 | 1500 |
| 52,5 | 1050 | 1312,5 | 1575 | 1837,5 | 42 | 53 | 63 | 79 | 105 | 1575 |
| 55 | 1100 | 1375 | 1650 | 1925 | 44 | 55 | 66 | 83 | 110 | 1650 |
| 57,5 | 1150 | 1437,5 | 1725 | 2012,5 | 46 | 58 | 69 | 86 | 115 | 1725 |
| 60 | 1200 | 1500 | 1800 | 2100 | 48 | 60 | 72 | 90 | 120 | 1800 |
| 62,5 | 1250 | 1562,5 | 1875 | 2187,5 | 50 | 63 | 75 | 94 | 125 | 1875 |
| 65 | 1300 | 1625 | 1950 | 2275 | 52 | 65 | 78 | 98 | 130 | 1950 |
| 67,5 | 1350 | 1687,5 | 2025 | 2362,5 | 54 | 68 | 81 | 101 | 135 | 2025 |
| 70 | 1400 | 1750 | 2100 | 2450 | 56 | 70 | 84 | 105 | 140 | 2100 |
| 72,5 | 1450 | 1812,5 | 2175 | 2537,5 | 58 | 73 | 87 | 109 | 145 | 2175 |
| 75 | 1500 | 1875 | 2250 | 2625 | 60 | 75 | 90 | 113 | 150 | 2250 |
| 77,5 | 1550 | 1937,5 | 2325 | 2712,5 | 62 | 78 | 93 | 116 | 155 | 2325 |
| 80 | 1600 | 2000 | 2400 | 2800 | 64 | 80 | 96 | 120 | 160 | 2400 |
| 82,5 | 1650 | 2062,5 | 2475 | 2887,5 | 66 | 83 | 99 | 124 | 165 | 2475 |
| 85 | 1700 | 2125 | 2550 | 2975 | 68 | 85 | 102 | 128 | 170 | 2550 |
| 87,5 | 1750 | 2187,5 | 2625 | 3062,5 | 70 | 88 | 105 | 131 | 175 | 2625 |
| 90 | 1800 | 2250 | 2700 | 3150 | 72 | 90 | 108 | 135 | 180 | 2700 |
| 95 | 1900 | 2375 | 2850 | 3325 | 76 | 95 | 114 | 143 | 190 | 2850 |
| 100 | 2000 | 2500 | 3000 | 3500 | 80 | 100 | 120 | 150 | 200 | 3000 |
| 105 | 2100 | 2625 | 3150 | 3675 | 84 | 105 | 126 | 158 | 210 | 3150 |
Proteine als Schlüssel zur Unterstützung bei Krebs
In der Onkologie spielen nicht nur die klassischen Krebstherapien eine entscheidende Rolle, sondern auch zahlreiche ergänzende Maßnahmen wie die Ernährungstherapie tragen zu einer erfolgreichen Behandlung bei. Ein guter Ernährungszustand und Muskelstatus sind im Rahmen der Krebsbehandlung von immenser Bedeutung und können die Behandlung und Prognose positiv beeinflussen.
Bedeutung von Proteinen:
In diesem Zusammenhang verdienen Proteine besondere Aufmerksamkeit. Sie sind wesentlich für den Aufbau von Körperzellen und für viele lebensnotwendige Körperfunktionen. Die Hälfte unseres Körpereiweißes befindet sich in der Muskulatur. Darüber hinaus haben Proteine als Baustoff für Binde- und Stützgewebe, für die Immunabwehr sowie zur Bildung von Enzymen, Hormonen und verschiedenen Blutbestandteilen eine wichtige Bedeutung.
Erhöhter Proteinbedarf bei Tumorpatient:innen:
Bei Tumorpatient:innen wird oft ein erhöhter Eiweißumsatz im ganzen Körper beobachtet, was zu einem Netto-Eiweißverlust führt. Dies bedeutet, dass der Bedarf an Proteinen und Aminosäuren steigt. Die Ursachen dafür können Inaktivität und systemische Entzündungsprozesse sein. Um diese metabolischen Belastungen auszugleichen, wird empfohlen, täglich 1,2–1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zuzuführen. Bei ausgeprägter Inflammation kann der Bedarf auf bis zu 2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht ansteigen.
Ernährungsstatus und Proteinmangel:
Wer eine vielfältige Auswahl an herkömmlichen Lebensmitteln nutzt und sich ausgewogen sowie abwechslungsreich ernährt, ist in der Regel ausreichend mit Energie, Protein und lebenswichtigen Nährstoffen versorgt. Bei Krankheit kann dies jedoch anders aussehen. Besonders onkologische Patient:innen leiden oft unter krankheits- und therapiebedingten Nebenwirkungen, die zu einer unzureichenden Nahrungsaufnahme inkl. Proteinmangel führen. Dies kann Gewichtsverlust, Verlust an Muskelmasse und verminderte Belastbarkeit zur Folge haben. Deswegen sollte der Ernährungsstatus mit Diagnosestellung in regelmäßigen Abständen geprüft und bei Bedarf frühzeitig interveniert werden.
Ergänzende Nahrungssupplemente:
Wenn eine ausreichende Ernährung bzw. Nährstoffzufuhr aufgrund einer Krankheit, wie einer Krebserkrankung, nicht allein durch das Anreichern normaler Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel oder nur auf eine unzumutbare Art und Weise erreicht werden kann, können medizinische Trinknahrungen wie Fortimel® eine wertvolle Ergänzung sein. Insbesondere unsere neuen, proteinreichen Trinknahrungen können bei onkologischen Patient:innen eine adäquate Proteinversorgung unterstützen.
Erfahren Sie hier mehr über Fortimel Compact Protein 2.4 kcal, Fortimel PlantBased Protein 2 kcal und Fortimel Creme Protein 1.6 kcal.
Fortimel® Trinknahrungen sind Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (bilanzierte Diät). Zum Diätmanagement bei krankheitsbedingter Mangelernährung. Zur ausschließlichen Ernährung geeignet. Nur unter ärztlicher Aufsicht verwenden. Für Erwachsene bestimmt.
- Arbeitsgemeinschaft Klinische Ernährung (AKE). AKE-Empfehlungen für die enterale und parenterale Ernährung von Erwachsenen. Online unter: https://empfehlungen.ake-nutrition.at/. Abgerufen am 02.02.2025.
- Arbeitsgemeinschaft Klinische Ernährung (AKE). Taschenausgabe der Empfehlungen für die parenterale und enterale Ernährungstherapie des Erwachsenen. Version 2008-2010
- Attanasio P, et al. Geriatrie: das gesamte Spektrum der Altersmedizin für Klinik und Praxis. Kohlhammer Verlag, 2024.
- Bauer J. et al. J Am Med Dir Assoc 2013; 14(8): 542–559.
- Cox J & Rasmussen L. Crit Care Nurse. 2014; 34(6):15–27.
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- Volkert D, et al. S3-Leitlinie Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter. Online unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/073-019l_S3_Klinische-Ernaehrung-Hydrierung-im-Alter_2025-02.pdf. Abgerufen am 28.04.2025.