Wie stellt der Kinderarzt eine Gedeihstörung fest?

Anzeichen einer Gedeihstörung und die Diagnose

Kinder, die unzureichend ernährt sind, sind oft müde, antriebsschwach, gereizt oder infektanfälliger als andere Kinder. Sie zeigen häufig ein verändertes Essverhalten und können an Appetitlosigkeit leiden. Auch Auffälligkeiten der motorischen und psychischen Entwicklung können auftreten. Typische Symptome einer Gedeihstörung sind vor allem eine auffallend geringe Gewichtszunahme, ein Gewichtsstillstand oder ein verlangsamtes Wachstum.

Anders als Erwachsene haben Babys und kleine Kinder kaum Energiespeicher und Nährstoffreserven. Wenn sie Versorgungslücken haben, kann dies schnell Auswirkungen auf ihre Entwicklung haben. Daher ist eine umgehende Behandlung bzw. Intervention notwendig. Mit der richtigen Ernährungstherapie kann sich der Ernährungszustand Ihres Kindes schnell wieder verbessern.

Hat mein Kind ein Risiko für Mangelernährung?

Machen Sie sich Gedanken, ob Ihr Kind ausreichend ernährt ist? Hier können Sie unseren Ernährungscheck machen. Bitte besprechen Sie das Ergebnis sowie jeden Verdacht auf eine Mangelernährung unbedingt mit Ihrem Kinderarzt!

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Wie stellt der Kinderarzt eine Gedeihstörung fest?

Wenn ein Verdacht auf eine Gedeihstörung besteht, wird der Kinderarzt Ihr Kind ganz genau untersuchen. Die Untersuchungen zielen darauf ab, mögliche Erkrankungen als Ursache für eine unzureichende Aufnahme von Nährstoffen auszuschließen. Eine krankheitsbedingte Ursache für eine Gedeihstörung ist aber eher selten.

Wachstums- und Gewichtsverlauf seit der Geburt

Der Arzt wird sich zunächst den Wachstums- und Gewichtsverlauf Ihres Kindes anschauen. Größe und Gewicht Ihres Kindes werden in den Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) regelmäßig gemessen und in Diagramme, den sogenannten Perzentilenkurven, eingetragen. Diese ermöglichen einen Vergleich des individuellen Wachstums Ihres Kindes mit den durchschnittlichen Werten seiner Altersgruppe. Es gibt Wachstums- und Gewichtstabellen speziell für Babys, für Jungen und für Mädchen. Auch für Kinder, die als Frühchen zur Welt gekommen sind, gibt es angepasste Gewichts- und Wachstumskurven.

Die Linien bzw. Perzentilenkurven geben an, wie viel Prozent der Altersgruppe kleiner bzw. leichter sind als der jeweils angegebene Wert. Liegt der aktuelle Wert Ihres Kindes z. B. auf der Perzentile P50, bedeutet es, dass 50 % aller Kinder seines Alters kleiner oder leichter sind und die anderen 50 % größer oder schwerer. Der Wert Ihres Kindes entspricht dann also genau dem durchschnittlichen Mittelwert. 

Weicht das Wachstum und das Gewicht Ihres Kindes deutlich von den Werten seiner Altersgruppe nach unten ab, deutet dies auf eine Versorgungslücke hin. Entscheidend für die Diagnose ist aber der individuelle Wachstums- und Gewichtsverlauf Ihres Kindes. Denn Kinder gedeihen ganz unterschiedlich und manche Kinder sind einfach kleiner und zarter als ihre Altersgenossen. Solang die individuelle Perzentilkurve Ihres Kindes stetig steigt und Ihr Kind auch sonst aktiv und aufgeweckt ist, ist in der Regel alles in Ordnung.

Verlässt die individuelle Kurve jedoch ihren eigentlich zu erwartenden Verlauf oder zeigt sich gar ein Abknicken der Perzentilen nach unten, sollte die Ursache dafür sofort vom Kinderarzt untersucht werden.

Wie entwickelt sich Ihr Kind?

Möchten Sie Größe und Gewicht Ihres Kindes mit seiner Altersgruppe vergleichen? Nutzen Sie unseren Perzentilenrechner und stellen Sie ganz einfach fest, ob Ihr Kind kleiner oder größer bzw. leichter oder schwerer im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern ist.

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Die Kranken- und Familiengeschichte (Anamnese)

Ihr Kinderarzt wird im weiteren Verlauf der Untersuchung eine Anamnese durchführen, d. h. er wird viele Fragen zur bisherigen Krankengeschichte Ihres Kindes stellen. Neben Infekten und Auffälligkeiten während der Schwangerschaft und Geburt umfasst eine sorgfältige Anamnese auch die medizinische Vorgeschichte Ihrer Familie, sowie deren Größe und Gewicht. Weiterhin wird Ihr Arzt nach der Ernährungssituation und dem Essverhalten Ihres Kindes fragen. Bitte teilen Sie Ihrem Kinderarzt grundsätzlich alle Auffälligkeiten, z. B. Appetitlosigkeit oder Abneigungen, mit.

Was Sie tun können: Schreiben Sie ein Ernährungsprotokoll!

Ein Ernährungsprotokoll kann wertvolle Informationen liefern. Darin schreiben Sie über 5 – 7 Tage alles auf, was Ihr Kind täglich gegessen und getrunken hat. Beobachten Sie Ihr Kind in dieser Zeit genau und notieren Sie auch, ob Ihr Kind müde, fröhlich oder gereizt ist oder Beschwerden (Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung etc.) hat. Ihre Aufzeichnungen geben dem Kinderarzt einen wertvollen Einblick in die aktuelle Versorgung Ihres Kindes.

Weitere Untersuchungen

Um das Ausmaß der Gedeihstörung einzuschätzen und die richtige Behandlung auszuwählen, wird der Kinderarzt weitere Untersuchungen durchführen. Eventuell misst er auch den Kopfumfang und das Unterhautfettgewebe Ihres Kindes und schaut sich seine Muskulatur genau an. Auch Blut-, Urin- und Stuhluntersuchungen, vielleicht sogar Röntgenuntersuchungen, können im Rahmen der Diagnose durchgeführt werden.