Was ist eine Gedeihstörung und wodurch entsteht sie?

Die Gedeihstörung ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Oberbegriff für ganz unterschiedliche Auffälligkeiten der kindlichen Entwicklung, die durch eine unzureichende oder einseitige Ernährung verursacht werden.

Wenn der Gewichts- und Längenzuwachs eines Kindes stark von der üblichen Entwicklung seiner Altersgruppe – dem Perzentilenverlauf – abweicht, sprechen Ärzte von einer Gedeihstörung. Dabei ist jedoch immer der individuelle Verlauf jedes Kindes zu berücksichtigen. Eine Gedeihstörung kann auch die motorische und psychosoziale Entwicklung beeinträchtigen, daher ist eine frühzeitige Behandlung so wichtig.

Kindliche Entwicklungs- und Wachstumsstörungen kommen viel häufiger vor als allgemein angenommen. Gemäß einer Untersuchung sind etwa 24 % aller Kinder, die in einer Kinderklinik aufgenommen werden, mangelernährt.

Ursachen für eine Gedeihstörung bei Babys und Kindern sind:

  • Unzureichende Nahrungsaufnahme
  • Probleme bei der Nährstoffverdauung und -verwertung
  • Vermehrte Verluste von Nährstoffen, z.B. bei Durchfall
  • Hoher Bedarf infolge von Erkrankungen

Krankheitsbedingte (organische) Gedeihstörung

Besonders Kinder mit einer chronischen Erkrankung, wie z. B. einer neurologischen Erkrankung, einer Herzkrankheit oder Mukoviszidose, sind häufig von Mangelernährung betroffen. Oftmals haben sie wenig Appetit oder Probleme beim Schlucken von Nahrung. Auch der Energiebedarf von chronisch kranken Kindern ist häufig viel höher als bei anderen Kindern. Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts können dazu führen, dass Nährstoffe nicht mehr richtig aus der Nahrung aufgenommen und verwertet werden. Eine ganz individuelle Ernährungstherapie, z. B. in Form von Trink- oder Sondennahrung, ist für diese Kinder in der Regel ein wichtiger Baustein in der Behandlung der Grunderkrankung.

Nicht-organische (anorganische) Gedeihstörung

Bei manchen Kindern liegt eine organische Erkrankung zugrunde, die die Entwicklung eingeschränkt. n den vielen Fällen liegt einer Wachstums- und Entwicklungsverzögerung jedoch keine Erkrankung zu Grunde. Ärzte sprechen dann von einer nicht-organischen bzw. anorganischen Gedeihstörung. Insbesondere zu früh geborene Babys können davon betroffen sein. Denn im Gegensatz zu reif geborenen Babys, müssen Frühchen nach der Geburt einiges an Gewicht und Wachstum nachholen. Das Aufholwachstum ist eine enorme Leistung der Kleinen, wofür sie besonders viel Energie über ihre Nahrung brauchen.

Eine Gedeihstörung kann auch bei Kindern auftreten, die mehrere Infekte hintereinander bekommen und dann für längere Zeit nur wenig essen und trinken. Manchmal ist die Ursache aber auch ein falsches Essverhalten des Kindes, das sich über einen längeren Zeitraum eingeschlichen hat. Einige Kinder können z. B. mit Einführung der Beikost eine einseitige Abneigung gegenüber bestimmten Lebensmitteln entwickeln. In diesem Zusammenhang kann sich eine Gedeihstörung auch auf Basis einer einer Fütter- und Essstörung entwickeln.

Probleme beim Füttern und Essen frühzeitig erkennen

Als Eltern wissen Sie, dass sich das Essverhalten von Kindern sehr schnell ändert. Abneigungen und Vorlieben wechseln oft stündlich und auch die Menge an Essen und Trinken, die Ihr Kind täglich verzehrt, kann stark variieren. Manchmal finden Kinder auch keine Zeit zum Essen, weil sie abgelenkt sind und einfach nur spielen wollen.

Insbesondere in Übergangsphasen, wenn langsam die Muttermilch oder Säuglingsmilch durch eine Breimahlzeit ersetzt und die Beikost eingeführt wird, können Probleme beim Füttern und Essen auftreten. In der Regel sind diese Probleme vorübergehend. Mit Geduld und der richtigen Zuwendung schaffen Kinder den Übergang nach einiger Zeit.

Manchmal bleiben diese Probleme jedoch länger bestehen und können zu einer großen Belastung für die Eltern und das Kind werden. Vielleicht erleben auch Sie die tägliche Fütterung Ihres Kindes als Stresssituation und machen sich Sorgen um seine Ernährung. Zögern Sie nicht, mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen und informieren Sie ihn bitte umgehend bei den folgenden Hinweisen auf eine Fütter- und Essstörung:

  • Das Füttern Ihres Kindes dauert regelmäßig länger als 30 Minuten
  • Die Mahlzeiten werden als stressig empfunden
  • Ihr Kind nimmt nicht ausreichend an Gewicht zu oder ist auffallend klein
  • Ihr Kind isst nur mit intensiver Ablenkung, z. B. nur beim Spielen
  • Ihr Kind verweigert rigoros neue Nahrungsmittel und akzeptiert z. B. nur flüssige oder breiige Konsistenzen
  • Ihr Kind stößt die Mahlzeiten häufig auf oder erbricht diese wieder
  • Ihr Kind trinkt nicht sicher und hustet bei den Mahlzeiten sehr oft
  • Ihr Kind hat Schwierigkeiten einen Nahrungsbissen zu formen und diesen zu schlucken
  • Ihr Kind macht nur wenig “Pipi” und der Urin ist dunkel und konzentriert

Machen Sie sich Sorgen um die Ernährung Ihres Kindes?

Machen Sie sich Gedanken, ob Ihr Kind ausreichend ernährt ist? Hier können Sie unseren Ernährungscheck machen. Bitte besprechen Sie das Ergebnis sowie jeden Verdacht auf eine Mangelernährung unbedingt mit Ihrem Kinderarzt! 

Zum Ernährungsscheck

Gut ernährten Kindern geht es besser, denn sie

  • entwickeln sich körperlich und geistig besser
  • haben bessere Abwehrkräfte und sind weniger krankheitsanfällig
  • sprechen besser auf Behandlungen an
  • haben mehr Muskelmasse für eine gesteigerte Leistungsfähigkeit
  • fühlen sich besser und haben eine höhere Lebensqualität
  • haben kürzere Klinikaufenthalte
  • haben eine bessere Wundheilung

Ärzte nehmen Anzeichen auf eine Mangelernährung bei Kindern grundsätzlich sehr ernst. Eine anhaltende Gedeihstörung kann schwerwiegende Folgen für Kinder haben. Unterernährte Kinder sind bekanntlich viel anfälliger für Infekte, ihre körperliche und geistige Entwicklung ist oftmals verzögert und auch ihre sozialen und emotionalen Fähigkeiten können beeinträchtigt sein. Eine verminderte Nahrungsaufnahme kann zu Kleinwuchs (früher auch Minderwuchs genannt) führen oder eine anhaltende Störung der normalen Verdauung (sogenannte gastrointestinale Dysfunktion) verursachen.

Bitte informieren Sie Ihren Arzt so früh wie möglich bei anhaltenden Fütter- und Essproblemen und bei Anzeichen auf eine Gedeihstörung!