Wie wird mein Kind bei einer Gedeihstörung behandelt?

Hat Ihr Kinderarzt während der Untersuchungen eine Erkrankung Ihres Kindes ausgeschlossen, wird er mit Ihnen über die richtige Ernährungstherapie zur Behandlung der nicht-organischen Gedeihstörung sprechen. Das Ziel der Behandlung ist, Ihr Kind mit der Menge an Energie und Nährstoffen zu versorgen, die es für einen guten Ernährungszustand und sein Aufholwachstum braucht. Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang von einer Realimentation (Kostaufbau) oder auch Ernährungsintervention. Zur Behandlung gehört normalerweise auch eine umfassende Ernährungsberatung.

Was bedeutet Aufholwachstum?

Unter Aufholwachstum versteht man ein gesteigertes Wachstum von Kindern nach einer Phase eines geringen Wachstums. Aufholwachstum findet z. B. bei zu früh geborenen Babys nach der Geburt oder bei Kindern, die sehr lange krank waren, statt.

Für das Aufholwachstum ist eine erhöhte Versorgung mit Kalorien und Proteinen notwendig. Der Kinderarzt wird den individuellen Bedarf Ihres Kindes für das Aufholwachstum berechnen. Mit der richtigen Ernährungsanpassung zeigt sich eine Gewichtszunahme i. d. R. bereits nach 1 – 2 Wochen.

Erste Hilfe durch die Ernährungsberatung

In der Ernährungsberatung werden Sie zur ausgewogenen Ernährung von Kindern, zu Fütterungsstrategien und förderlichen Verhaltensweisen beim Essen informiert. Bei Fütterungsproblemen oder Ess- und Schluckbeschwerden helfen häufig auch die Hebamme oder ein Logopäde weiter. Auch Kinderpsychologen und Sozialpädagogen bieten wertvolle Unterstützung. Ihr Kinderarzt wird Ihnen die richtige Beratung vor Ort empfehlen können.

Anpassungen der Ernährung und Energieanreicherung

Je nach Ausmaß der Mangelernährung empfehlen Ärzte häufig, zunächst die Trinkmengen oder Portionen des Kindes zu erhöhen. Manchmal führen häufigeres Stillen und Füttern oder Zwischen- und Spätmahlzeiten bereits zu einer deutlichen Verbesserung der Ernährungssituation.

Manche Kinder essen aber nur wenige Portionen und selbst von ihrer Lieblingsspeise nur kleine Mengen. Ist dies auch bei Ihrem Kind so, empfiehlt Ihr Arzt vermutlich besonders energiereiche Lebensmittel zu verwenden oder die Nahrung Ihres Kindes zusätzlich mit Kalorien anzureichern. Dafür eignen sich sehr fettreiche Lebensmittel, wie Milch, Käse und Wurst mit hohem Fettanteil. Brei, Soßen und Suppen können z. B. zusätzlich mit Sahne oder Butter angereichert werden. Als Zwischenmahlzeiten eignen sich beispielsweise Sahneeis, Müsliriegel und Schokolade. Auf Anraten Ihres Arztes kann dem Essen Ihres Kindes auch zusätzlich Maltodextrin hinzugefügt werden. Dies ist ein Gemisch aus Kohlenhydraten und wird häufig in der Ernährungstherapie eingesetzt.

Wertvolle Unterstützung durch Trinknahrung

Manchmal reichen trotz intensiver Bemühungen die Anpassungen der normalen Ernährung nicht aus, um die erwünschten Ernährungsziele zu erreichen. Dann kann Ihr Arzt Ihrem Kind medizinische Trinknahrungen verordnen. Diese enthalten Energie und Nährstoffe in bedarfsdeckender Form und werden in der Regel ergänzend zum normalen Essen und Trinken eingesetzt. Trinknahrungen gibt es in leckeren altersentsprechenden Varianten sowohl für Säuglinge und Kleinkinder als auch für größere Kinder und Jugendliche. So kann jedes Kind entsprechend seines Entwicklungsstandes sowie Energie- und Nährstoffbedarfs individuell unterstützt werden.

Bedarfsgerechte Nährstoffversorgung über eine Sonde

Bei längerfristigen Ernährungsproblemen empfehlen Experten der Kinderheilkunde den Einsatz einer Ernährungssonde. Dabei erhält das Kind eine energie- und nährstoffreiche Flüssignahrung über eine Sonde direkt in seinen Magen oder Darm. Je nach Dauer der Sondenernährung wird eine Nasen- oder Magensonde verwendet. Die Entscheidung für eine Sonde fällt nicht immer leicht. Darum haben wir für Sie viele wichtige Informationen und Erfahrungsberichte von anderen betroffenen Eltern auf der Webseite www.meinkindistbesonders.de zusammengefasst.

Gemeinsam zum normalen Essen zurückfinden

In den meisten Fällen können Kinder trotz Verordnung von Trink- und Sondennahrung weiterhin kleine Mengen ihrer normalen Nahrung essen. Wenn die Grundversorgung Ihres Kindes mit Hilfe der Trink- bzw. Sondennahrung sichergestellt ist, können Sie mit der notwendigen Ruhe und Gelassenheit das normale Essen mit Ihrem Kind üben.

Bedenken Sie, dass das Essen mit Ihrem Kind immer auch eine Beziehungssituation ist. Damit Ihr Kind das Essen als eine gemeinsame Situation erleben kann, können Sie z. B. beim Füttern auch eine Kleinigkeit mitessen. Kinder essen häufig besser, wenn die Mahlzeiten zusammen mit der ganzen Familie und zu festen Tageszeiten stattfinden. Entwickeln Sie Rituale rund ums Einkaufen, Kochen und Essen und legen Sie feste Regeln für den Umgang mit Lebensmitteln fest, die für die ganze Familie gelten.  

Kleine Tipps für das gemeinsame Essen mit Ihrem Kind

Die gemeinsamen Mahlzeiten sollten regelmäßig und zu festen Zeiten stattfinden

  • Zusammen mit Ihnen oder der ganzen Familie macht Ihrem Kind Essen mehr Spaß
  • Sorgen Sie beim Essen für ausreichend Ruhe und schalten Sie Radio oder Fernseher aus
  • Geben Sie Ihrem Kind kleine und kindgerechte Portionen
  • Lassen Sie Ihr Kind möglichst selbstständig essen
  • Beziehen Sie Ihr Kind in das Planen von Mahlzeiten sowie Einkaufen und Zubereiten ein
  • Kochen Sie abwechslungsreich und lassen Sie Ihr Kind alle Speisen zumindest probieren
  • Lehnt Ihr Kind Gemüse ab, bieten Sie es ihm fein püriert im Brei oder als Suppe an
  • Wenn Ihr Kind kein Obst essen will, machen Sie ihm alternativ einen frischen Saft