Mangelernährung und chronische Lebererkrankungen
Der Krankheitsverlauf bei chronischen Lebererkrankungen wie Fettleberhepatitis (Steatohepatitis) oder Leberzirrhose wird neben anderen Faktoren auch vom Ernährungszustand beeinflusst.
Bei einem Großteil der Patienten mit chronischen Lebererkrankungen stellt sich mit fortschreitender Erkrankung eine allgemeine Mangelernährung oder eine Minderversorgung mit einzelnen Nährstoffen ein. Untergewicht und Mangelernährung führen u. a. zur Schwächung des Immunsystems, zu vermehrten infektiösen Komplikationen und zur Verschlechterung des Krankheitsverlaufes.
Mit zunehmender Beeinträchtigung der Leberfunktion werden die Auswirkungen auf den Ernährungszustand immer deutlicher. Es kommt aufgrund einer kombinierten Eiweiß- und Energieunterversorgung zum Verlust von Muskelmasse und Unterhautfettgewebe einerseits und andererseits zu einer stärkeren Wassereinlagerung (Aszites, Ödeme). Eine Mangelernährung bzw. ein Gewichtsverlust ist deshalb nicht immer sofort erkennbar, da das Körpergewicht häufig normale Werte anzeigt. Deshalb sind die frühzeitige Feststellung des Ernährungsrisikos mittels leicht anwendbarer Screeningmethoden (z. B. SGA, NRS, MUST) und der baldige Beginn von ernährungstherapeutischen Maßnahmen sehr wichtig, um weitere Komplikationen zu vermeiden.
Empfehlungen für die Ernährungstherapie
Die Anforderungen an die Ernährung und Ernährungstherapie sind sehr individuell und können sich mit dem Verlauf der Erkrankung ändern, sodass hier jeweils eine Anpassung der Empfehlungen und Maßnahmen erfolgen muss. Im Vordergrund steht eine ausreichende Energie- und Eiweißzufuhr. Der Energiebedarf pro Tag liegt zwischen 35-40 kcal pro Kilogramm Normalgewicht. Die ausreichende Zufuhr von Kalorien in Form von Kohlenhydraten und Fetten ist sehr wichtig, da Eiweiß sonst zur Energiegewinnung abgebaut wird und dem Körper nicht mehr für funktionelle Aufgaben zur Verfügung steht.
Der Eiweißbedarf ist erhöht und liegt zwischen 1,2 - 1,5 g pro Kilogramm Normalgewicht. Nur wenn es im fortgeschrittenen Stadium der Leberzirrhose zur Entstehung einer Enzephalopathie kommt, muss die Eiweißzufuhr und die Auswahl der proteinhaltigen Lebensmittel an die Situation angepasst werden.
Die Ausnutzung des Nahrungsfettes ist bei etwa 40% der chronisch Leberkranken gestört. Hier gelten die gleichen Regeln wie bei Fettverwertungsstörungen.
Vielen Patienten mit chronischen Lebererkrankungen fällt es wegen mangelndem Appetit, raschem Völlegefühl, Schwäche und Schläfrigkeit schwer, ihren Energie- und Nährstoffbedarf mit herkömmlichen Lebensmitteln zu decken. Empfehlenswert ist dann der Einsatz von medizinischen Trinknahrungen zur Optimierung des Nährstoffangebotes.
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