Gedeihstörung bei Babies und Kindern
Als Gedeihstörung bezeichnet man ein im Vergleich mit gleichaltrigen Kindern verzögertes Wachstum, teilweise auch in Kombination mit einer verzögerten geistigen und motorischen Entwicklung.
Das Wachstum ist eines der wichtigsten Merkmale der Kindheit und ein sehr sensitiver Indikator für den Ernährungszustand von Kindern. Bereits eine kurzfristige Mangelernährung kann lang anhaltende Folgen haben, und je jünger ein Kind ist, desto schneller treten negative Auswirkungen auf.
Die Ursachen für eine Gedeihstörung bei Kindern sind multifaktoriell. Der häufigste Grund für ein nicht altersgerechtes Wachstum ist eine unzureichende Nährstoffaufnahme, also eine Mangelernährung, insbesondere mit Energie und Eiweiß. Zahlreiche Gedeihstörungen sind krankheitsbedingt: Insbesondere Infektionen und chronische Entzündungsprozesse sind mit einer erhöhten Stoffwechselgeschwindigkeit verbunden, dies beeinträchtigt den Protein-Stoffwechsel und in der Folge auch die Wachstumsgeschwindigkeit. Zudem können krankheitsbedingt die Nährstoffaufnahme vermindert oder Nährstoffverluste erhöht sein. Wenn keine organischen Ursachen festzustellen sind, liegen der Gedeihstörung häufig psychosoziale Probleme zugrunde. Dazu gehören z. B. eine fehlende Akzeptanz neu eingeführter Nahrungsmittel beim Säugling und Kleinkind, die bei den Eltern unangemessene und eher kontraproduktive Fütterungsstrategien auslösen, um das Kind zur Nahrungsaufnahme zu bewegen.
Ein frühzeitiger Beginn mit einer Ernährungstherapie ist sinnvoll, um Spätfolgen einer Gedeihstörung ebenso zu verhindern wie Verhaltensstörungen von Kindern im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme.
Empfehlungen für die Ernährungstherapie
Am Anfang der Behandlung von Gedeihstörungen sollte eine Ernährungsberatung stehen. Wenn diese nicht erfolgreich ist, sollte eine Ergänzung der normalen Ernährung durchgeführt werden, z. B. mit Trinknahrung. Bei Kindern, die ihren Nährstoffbedarf mit normaler Nahrung alleine nicht decken können, ist eine enterale Sondenernährung das Mittel der Wahl. Das Ziel der enteralen Ernährungstherapie ist der Erhalt oder die Verbesserung des Ernährungsstatus des Kindes bei gleichzeitiger Minimierung von gastrointestinalen Symptomen und Erhalt oder Verbesserung der Lebensqualität sowohl des Kindes als auch der Betreuungspersonen.
Für ein altersgerechtes Aufholwachstum ist insbesondere eine adäquate Versorgung des betroffenen Kindes mit Energie und Protein wichtig. Bei der Festlegung des täglichen Nährstoffbedarfs für das Aufholwachstum muss berücksichtigt werden, dass nicht nur der Bedarf für Erhalt und normales Wachstum zugeführt werden müssen, sondern auch das bestehende Nährstoffdefizit ausgeglichen werden muss.
Je nach individuellem Energiebedarfs ist der Einsatz einer normo- oder hochkalorischen Nahrung sinnvoll. Für Säuglinge bedeutet dies einen Energiegehalt der Nahrung von 1 kcal/ml (im Vergleich zu Muttermilch mit ca. 0,6 - 0,7 kcal/ml). Für ältere Kinder reicht meist eine Energiedichte von ebenfalls 1 kcal/ml aus, bei sehr hohem Energiebedarf und/oder krankheitsbedingten Flüssigkeitsrestriktionen können auch Nahrungen mit 1,5 kcal/ml gegeben werden.
Zum Erreichen eines Aufholwachstums werden täglich ca. 2,0 g Protein/kg Körpergewicht benötigt (in metabolischen Stresssituationen sogar mehr, z. B. cystische Fibrose: 5 g/kg KG täglich). Angesichts der Tatsache, dass Digestion und Absorption bei mangelernährten Säuglingen und Kindern beeinträchtigt sein können, erscheint es sinnvoll, die jeweils oberen Grenzwerte der täglichen Proteinaufnahme anzustreben.
Entscheidend für das Wachstum ist zudem der Anteil des Proteins an der Energiezufuhr: Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben Kinder mit Gedeihstörung für das Aufholwachstum im allgemeinen einen Proteinbedarf von 8,9 - 11,5 En% (Achtung: Berücksichtigung eventuell abweichender krankheits-spezifischer Empfehlungen). In dieser Hinsicht ist bei der Energieanreicherung normaler Säuglingsnahrung mit Maltodextrin und Fett Vorsicht geboten. Der auf diese Weise erzielte höhere Energiegehalt geht zu Lasten des Eiweiß-Energie-Verhältnisses, das sich auf lediglich 5,5 En% verschiebt; dieser Wert unterschreitet deutlich die Forderung der WHO.
Wichtig ist schließlich, dass der anfangs aufgestellte Ernährungsplan regelmäßig überprüft und an die spezifischen und sich im Zeitverlauf ändernden Bedürfnisse des Kindes angepasst wird.
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